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für Kinder, Jugendliche, Erwachsene mit (Online) - Coaching für Eltern und Erwachsene mit ADHS

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Das aggressive Kind

Das aggressive Kind

Vermehrt werden Stimmen laut, dass unsere Kinder immer aggressiver werden, treten, prügeln, mobben...Erzieher, Lehrer und Eltern stehen dieser Aggressivität ihrer Kinder oft hilflos gegenüber, verstehen nicht warum ihre Kinder "so austicken" und wissen nicht, was sie dagegen tun sollen.

Aggressivität bei Kindern

Der Begriff Aggressivität kommt aus dem lateinischen und heißt soviel wie " an etwas herangehen" , " angreifen" - und das trifft es schon ganz gut.

Aggressive Gefühle und aggressives Vorgehen sind eigentlich ein gesunder und wichtiger Bestandteil eines jeden Menschen. Jeder Mensch braucht Durchsetzungsvermögen, Willenskraft und muss lernen, sich zu wehren und zu verteidigen. Somit erscheinen die normalen, kindlichen Vorgehensweisen in einem besseren und anderen Licht - diese vorläufigen kindlichen Aggressionen sind normal und notwendig - WENN sie sich in bestimmten Rahmen befinden, unter "Kontrolle" zu bringen sind, nicht "ausarten" und sich nicht in weiter Altersstufen transferieren.

Aggressive Verhaltensweisen bei Kindern entstehen oft dann, wenn das Kind die Gewohnheit entwickelt, Wünsche "auf Biegen und Brechen" durchzusetzen, Anforderungen die an das Kind gestellt werden mit aggressiven Mitteln zu verhindern sowie Probleme auf diese Weise zu lösen.

Aggressives Verhalten lässt dich unterteilen

- Trotz - und Wutanfälle, die auf eine Entwicklungsphase zurückzuführen sind ABER auch auf eine geringe Frustrationstoleranz. In der Trotzphase ist dieses Verhalten normal und wichtig - aber auch hier nur bis zu einem gewissen Grad! Obwohl trotzen in einem gewissen Alter normal ist, heißt das nicht, dass man dies bedingungslos akzeptieren muss! Auch in diesem Alter bildet sich die Frustrationstoleranz weiter aus, und dazu gehört es nun mal, sich mit einem "Nein", anfinden zu müssen und lernen zu müssen, dies auf eine gesunde Art und Weise zu tun.

- Werden diese Aggressionen durch Angriffe auf Personen deutlich, lassen sich Tendenzen beobachten, wie gezielt eine andere Person angegriffen wird. Einige Kinder lassen ihre Aggressionen in diesem Fall auch an Gegenständen oder Tieren freien Lauf.

- Auch verbale Angriffe gehören in die Rubrik Aggression.

- Verweigert sich das Kind - Aufgaben erfüllen, Anforderungen erfüllen...und ist Bockig, ist auch dies eine Form der Aggression

- Selbstverletzungen wie exzessives Nägelkauen, Haut aufkratzen, Kopf gegen Wand schlagen. Hier ist darauf zu achten, ob eventuell eine Wahrnehmungsstörung zu Grunde liegt! Diese kann u. U dazu führen, dass sich durch diese Verhaltensweisen Reize zugeführt werden, das Kind sich also fühlt.

Eine zentrale Rolle in der Beurteilung, ob kindliche Aggressionen "normal" und altersbedingt sind, oder aber "auffällig" ergibt sich aus der Klärung der Fragen...

- Ausprägung der Aggression

- Dauer

- wo sie eingesetzt wird

- wie schnell sich das Kind bremsen lässt

Viele Eltern finden diese kindlichen Aggressionen "normal" oder/und lassen sie bei einem Jungen eher "durchgehen" als bei einem Mädchen. Es kommt aber bereits hier, im normalen Trotzalter darauf an, den Kindern klar zu machen, dass man sie zwar versteht, dass die Art der Konfliktlösung aber so nicht akzeptabel ist. Darüber hinaus werden hier Fähigkeiten der Frustrationstoleranz weiter ausgebildet und trainiert und dies geschieht nicht, wenn das Kind ohne weiteres aggressiv sein darf....

Eine andere Vorgehensweise von Eltern ist das häufige "erklären", nach einem Wutanfall, dass dies aus diesen und jenen Gründen nicht geht....diese Erklärungen ziehen sich oftmals über viele Minuten hin und das Kind kann diese ganzen Informationen und Erklären nicht aufnehmen und nicht verstehen - sie "verpuffen im Sand".

Ursachen für kindliche Aggressionen

Die Erklärungsmodelle für kindliche Aggressionen stammen aus unterschiedlichen psychologischen und pädagogischen Richtungen.

Als Ursachen für kindliche Aggressionen kommen u. a körperliche und psychische Erkrankungen in Frage, wie z. B Schädigung der Hirnrinde, Wahrnehmungsstörungen aller Art, Schilddrüsenerkrankungen.

Auch Kinder mit ADHS und einer Störung des vegetativen Nervensystems reagieren oft schnell aggressiv.

Die Lerntheorien besagen u.a das aggressive Verhaltensweisen erlernt sein KÖNNEN! Die Lerntheorien besagen zudem, das alles erlernte auch wieder ver - lernt werden kann.

Unterscheidung der Lerntheorien

Es ist hierbei wichtig, einen Blick auf die Unterscheidung der Lerntheorien zu werfen!

1. Das instrumentelle Lernen

Das Verhalten - egal, ob positiv oder negativ - wird von Ereignissen geprägt und gesteuert, die VOR dem Verhalten und NACH dem Verhalten stattfinden.

Bsp: Max soll einen Aufsatz in der Schule schreiben und ist nicht sonderlich motiviert. Er ist ein unruhiges Kind, hat mich Schule nicht viel am Hut und bekommt aufgrund seines unruhig sein, viel negatives Feedback - in der Schule, wie zu Hause. Max sitzt vor seinem Heft und wird vom Lehrer nicht weiter beachtet. Max selber hat keine innere Motivation auf die er zurück greifen könnte. Nach einigen Minuten brüllt Max "so einen Mist mach ich nicht, alles schei...machen sie ihren Kram doch selber" . Der Lehrer schimpft Max aus und Max bekommt Aufmerksamkeit...

Max hat gelernt, wenn er aggressiv ist, bekommt er Aufmerksamkeit! Er hat gelernt, dass er durch die Aggressivität sein Bedürfnis nach Zuwendung und Aufmerksamkeit erfüllen kann.

Reagieren Kleinkinder aggressiv, kommentieren Eltern dies häufig mit einem "Du, Du, das macht man aber nicht" und einem Grinsen im Gesicht. Damit verstärken wir die Aggressionen der Kinder und somit das aggressive Verhalten!

2. Lernen am Modell

Hier kopieren Kinder das Verhalten von Erwachsenen. Werden sie z. B oft bestraft mit Prügel, Schreien, Anbrüllen....lernen sie, dass der Stärkere den Schwächeren genau so behandelt und werden dies zur gegebenen Zeit anwenden.

Im Elternalltag dürfte Nr . 1, das instrumentelle Lernen der häufigste Grund sein, das aggressive Verhalten der Kinder unbewusst zu bestärken.

Es ist im Alltag wichtig, Kindern nicht sofort auf der Stelle alle Bedürfnisse zu erfüllen. Sie müssen lernen, dass andere Menschen andere Bedürfnisse haben, das sie auch mal warten müssen und das man seinen Willen nicht mit der "Brechstange" durchsetzen kann - sie müssen eine gesunde und funktionstüchtige Frustrationstoleranz entwickeln. Je mehr Erfahrungen Kinder damit gemacht haben, dass seine grundlegenden Bedürfnisse zwar erfüllt werden, sie aber nicht immer alles haben können, mal warten müssen und auch andere Menschen ein Recht auf ihre Bedürfnisse haben, umso besser lernen sie mit Frust umzugehen.

Frust hat nichts mit Kälte oder Vernachlässigung zu tun! Jeder Mensch erlebt immer wieder Momente des Frustes und einen gesunden, positiven Umgang hiermit muss man erlernen.

Eine chronische Frustration bei Kindern stellt sich entweder ein, wenn ihre grundlegenden Bedürfnisse prinzipiell nicht erfüllt werden ODER ihnen alles an Frustration - und Versagenserlebenissen abgenommen wurde und sie nicht gelernt haben, auf gesunde Art und Weise mit diesen Begebenheiten umzugehen - diese Kinder können nicht warten und drängen nach Sofortbefriedigung ALL ihrere Wünsche.

Auch Minderwertigkeitsgefühle und das Gefühl ständig unterlegen zu sein, können aggressives Verhalten nach sich ziehen - um die Minderwertigkeitsgefühle zu "übertünchen". 

Für Kinder ist es wichtig, frühzeitig mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen, von Anfang an zu lernen, dass nicht alle Bedürfnisse sofort und auf der Stelle erfüllt werden, dass andere Menschen andere Bedürfnisse haben, ihre Kräfte mit anderen Kindern zu messen, herauszufinden wo ihren Grenzen sind und wo ihre Stärken liegen - und diese Stärken sollten nach Möglichkeit gefördert werden. 

Ebenfalls ist immer das Augenmerk auf eine eventuelle Wahrnehmungsstörung zu legen, da auch diese, wie bereits oben erwähnt, eine Aggression auslösen können.

Weitere Infos unter

Online - Beratung der Elternschule